Tomb Raider: Die Chronik

Nachdem Lara Croft am Ende des letzten Abenteuers unter einer Gesteinslawine begraben wurde, beginnt "Die Chronik" mit ihrer Beerdigung. Nach der Bestattung ziehen sich die Freunde zurück und beginnen über Laras Leben zu philosophieren. Auf diese Art und Weise kommen wir in den Genuss vier völlig verschiedene Geschichten aus Laras bisherigem Werdegang zu erleben.
Die erste Geschichte führt uns in das bekannte Venedig mit seinen vielen Gassen und Wasserstrassen. Dort gilt es den Stein der Weisen zu finden, was komplizierter ist als es sich anhört, denn auch zwei französische Halunken sind hinter dem Kleinod her. Die zweite Geschichte dann verschlägt Lara auf ein russisches U-Boot, welches von der Mafia bezahlt auf der Suche nach dem Speer des Schicksaals ist, den Lara ihnen natürlich vor der Nase wegzuschnappen hat. Nach diesem klaustrophobischen Erlebnis, in dem Lara sogar per Tiefseetauchanzug unterwegs ist, dürfen wir sie ein zweites Mal als 16jähriges Mädchen spielen, und zwar in einem Abenteuer mit einem gutem Bekannten ihres Vaters, dem Pater. Dieser wird einem wild gewordenem Dämon nicht mehr Herr, so dass er auf Laras Unterstützung angewiesen ist, die ihm dabei helfen muss seinen wahren Namen herauszufinden, was der einzige Weg ist ihn unter Kontrolle zu halten. Im vierten und letzten Abenteuer schließlich erleben wir Lara ganz modern. Im schwarzen Latexanzug, mit Headset und schallgedämpftem Scharfschützengewehr hat sie ein außerirdisches Artefakt aus einem HiTec-Hochhaus zu stehlen. Dabei schleicht sie ganz nach Matrix-Manier durch den mit elektronischen Alarmanlagen und Fallen gespickten Bau, schleicht sich von Hinten an die Wachen heran um sie mit einem Chloroformlumpen zu betäuben oder knackt diverse Computercodes um sich den Weg ins nächste Stockwerk freizumachen, bis sie endlich unter Sirenengeheul und Kugelhagel den Schergen entkommt und somit das Spiel beendet.

Das Gameplay dürfte mit zu den abwechslungsreichsten gehören was uns die "Tomb Raider" Saga bis heute zu bieten hat. Das Venedig-Kapitel bietet uns genau das was man erwartet ohne frustige Ecken. Das U-Boot Kapitel hingegen schafft es durch die engen Gänge und kleinen Räume eine hervorragend klaustrophobische Stimmung aufzubauen, gekrönt von einer Tiefseetauchsequenz wie man sie in noch keinem Tomb Raider Game gesehen hat. Das Irland-Kapitel in dem man Lara als 16 Jährige spielen kann zeigt dann so richtig wo es lang geht. Komplizierte Sprungsequenzen in Verbindung mit superknappen zeitabhängigen Rätseln stellen den Spieler richtig auf die Probe. Die letzte Geschichte im HiTec-Hochhaus schließlich glänzt durch neue Moves und Waffen, welche Lara wesentlich interaktiver erscheinen lassen. So kann sie sich hinter schlafenden Wachen vorbeischleichen, sie mit Chloroform betäuben oder per Fanghackenwerfer Seile an die Decke Hängen um an unzugängliche Stellen zu kommen.

Leider beinhaltet viel Licht auch viel Schatten, genauso bei "Tomb Raider - Die Chronik". So kann man die Grafik getrost als nicht mehr Up to Date bezeichnen. Obwohl dieser "Tomb Raider" Teil sicher der abwechslungsreichste bis jetzt ist, beinhaltet er nach wie vor die bekannten Schwächen. Die Charaktere verschwinden teilweise in den Wänden, Lara weigert sich manchmal über eine Stufe zu steigen und tut dies erst nach einigen Anläufen oder übelste Klippingfehler versperren einem die Sicht auf das Wesentliche, von der teilweise verwirrenden Kameraführung einmal abgesehen. Dabei dürfte der übelste Bug aber in der Item-Verwaltung liegen, die mitunter Gegenstände einfach verschwinden lässt, woraufhin man den entsprechenden Spielstand so oft laden muss bis der Gegenstand wie von Geisterhand plötzlich auftaucht. Besonders in der letzten Geschichte im HiTec-Hochhaus haben sich einige böse Designfehler eingeschlichen. So muss man an einer Stelle durch ein geschlossenes(!) Lüftungsgitter hindurchkraxeln, oder an einer anderen Stelle einem Androiden die Isolierung vom Bein schießen und ihn daraufhin unter Wasser setzen was einen Kurzschluss verursachen soll. In der Praxis passiert es aber, dass das Wasser bereits vorhanden ist, sodass man erst gar nicht zu dem Androiden gelangt, oder aber das Wasser verursacht keinen Kurzschluss, was uns wiederum daran hindert mit der Geschichte fortzufahren.

Der Sound bietet bekannte Kost aus dem Tomb Raider Universum. Die meiste Zeit bewegt man sich ziemlich im Stillen. Musik wird nur eingesetzt um die Aufmerksamkeit des Spieler auf eine bevorstehende Gefahr zu lenken oder einen spielentscheidenden Moment aufzuzeigen. Die Zwischensequenzen bestehen zum Teil aus Ingame-Grafiken und aus professionell gerenderten Videos. Sie stellen gleichzeitig die einzigen Punkte dar in denen Lara mit anderen Personen interagiert.

"Tomb Raider - Die Chronik" ist der abwechslungsreichste aller Teile bisher. Auch wenn die Grafik nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik ist, kann das Game doch durch die mannigfaltigen Level überzeugen. Manche Stellen freilich sind ohne Komplettlösung kaum zu schaffen, was einen wirklichen Lara Fan aber sicherlich nicht abhalten wird, eine kräftige Portion Durchhaltevermögen kann aber nicht schaden. Leider scheint das letzte Kapitel schnell hingeschludert worden zu sein, denn die dort existierenden Bugs hätten wirklich nicht sein müssen.



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